Heimat! Wer will schon einen Begriff kapern?

[Heimat]
[Bundespräsident]
[Van der Bellen]
[Hofer]
[FPÖ]

Ö1 Mittagjournal, Freitag, 6. Mai 2016.
Der Politikberater Thomas Hofer wird befragt, wie denn das mit dem Begriff “Heimat” sei, den sowohl Alexander van der Bellen als auch Norbert Hofer plakatieren.

Überraschung für mich: Ich bin komplett anderer Meinung als Thomas Hofer.

Der sonst recht einfühlsame Analytiker bleibt diesmal extrem im Polittechnischen:
“Man möchte Hürden abbauen für bürgerliche Wähler”, “die Botschaft ist (…) das ist ja eh kein linksgrüner, der setzt ja auch auf Heimat”, “Man muss es versuchen, um in Richtung der Griss- und Kohl-Wähler zu kommen”,…

Das stimmt schon alles. Eh.
Was Hofer aber übersieht, ist spätestens nach folgendem Satz im Interview klar:
“Die (linken WählerInnen) haben sowieso keine Wahl, die müssen sowieso Van der Bellen wählen.”

Sorry, Herr Hofer, aber da fehlt etwas.
Auch “Linke”, wer auch immer das wäre, haben einen Heimatbegriff.
Auch “Linke”, wer auch immer das wäre, haben Sehnsucht nach einem Zuhause.
Auch “Linke”, wer auch immer das wäre, haben einen Ort, mit dem sie sich identifizieren.

Bloß: In der politischen Kommunikation haben sich die linken und progressiven Parteien, aber auch die liberalen, über den Begriff seit Jahrzehnten nicht drübergetraut.
Und dass das Wahlkampfteam Van der Bellen ENDLICH beginnt, den Begriff Heimat auch “von links” zu framen, ist eine der besten Ideen, die sie gehabt haben.

Den Begriff Heimat der FPÖ und der ÖVP Wegnehmen geht nicht?
Will das denn überhaupt jemand?
Um mit Konservativen Menschen in einen Dialog über Heimat und die Bedeutung dieses Begriffs treten zu können, braucht es ein eigenes Verständnis, eigene Metaphern, eigene “linke” Worte dafür.
Also einen eigenen Frame für Heimat.
Und da macht die VDB-Kampagne ENDLICH erste Schritte. Babyschritte. Aber inmmerhin.

Versöhnlicher Schluss: Einen Satz von Thomas Hofer zur VDB-Kmpagne unterschreibe ich gerne gleich mehrfach: “Mir fehlt ein wenig die Emotion. Ich glaub, es bräuchte schon auch noch thematische Initiativen.”

Khol: Gutes Framing, schlechte Perfomance

[Andreas Khol]
[strict father]
[Stärke]

Andreas Khol.
Gutes Framing, schlechte Perfomance.

Ja, warum eigentlich? Warum hat Andreas Khol so ein schlechtes Ergebnis bei der Bundespräsidentenwahl 2016 eingefahren?

Mich beschäftigt ja hier das Framing.
Und das war gut!
Starke Authoritäten gefallen Konservativen.

[Andreas Khol] als [strict father] zu framen, war bestimmt eine tadellose Entscheidung: Khol knows best, er kann “Österreich stärken”, “Erfahrung macht stark”, “Eine Stärke von mir ist sicher auch der Weitblick”,… da hat sich jemand etwas gedacht.

Konservative Werte durchdekliniert auch auf der Website: “Familie”, “Fleiss” (sic), “Gemeinschaft”,… genau die eigene, klassische wertkonservative Gemeinde bedient.
Gratuliere!

Warum er dann trotzdem dermaßen verloren hat?
Drei schlanke Erklärungsversuche:

  • Die klassische wertkonservative WählerInnenschaft ist wohl nicht mehr größer.
  • 6 KandidatInnen – 5einhalb davon für Konservative zumindest auch wählbar (die fehlenden zwei Viertel gehen zu Van der Bellen und Hundstorfer, die für Khols Kernklientel unwählbar sind) – das kann sich nicht ausgehen.
  • und vor allem: ÖVP? Wer ist die ÖVP? Beim Wahlergebnis nach der Bundespräsidentenwahl 2016 zeigt sich ganz klar, dass die ÖVP kein relevanter Player mehr ist.

Sorry, guys!

„Nazi“ schreien bringt nicht so viel…

[Identitär]
[Patriotismus]
[Nazi]

Es war also eine „ästhetische Intervention“, der Auftritt der „Identitäten Bewegung“ am 14. April 2016. Aha.

Auf ihrer fb-Seite schreiben die jungen Rechten über die „mutigen Aktivisten“, die „die erfolgreiche Aktion“ feiern. „Lehnt euch zurück und freut euch mit uns über dieses erfolgreiche patriotische Zeichen, das in der jüngeren Geschichte seinesgleichen sucht.“

Die kleine, gut organisierte Truppe hat es geschafft, ihr Thema in die Medien zu bringen. Das linke, progressive Österreich steckt vor allem in einer Argumentationslinie fest:
Die Nazi dürfen das nicht. Weil 1923.

Die identitären AktivistInnen dagegen sind in ihrer Botschaft ganz klar:

„Sie wollen das Blut von Bataclan auf die Bühne des Audimax bringen.“
„Sie wollen für ihre Zukunft aufstehen und Gesicht zeigen.“

Sie illustrieren vorbildlich einen ihnen wichtigen Frame:
[Multikulti]=[Blutvergießen]

Und die jungen Rechten gehen auf den zu erwartenden Frame [Identitäre]=[Nazi] schon vorgreifend ein:

„Wir sind keine Nazis.
Wir sind eure Kinder
Wir sind die Jugend ohne Migrationshintergrund. Und wir wollen eine Zukunft für uns in diesem Land.“

Sie gehen also einen gewagten Schritt weiter, der in ihrem Umfeld aber gut ankommt:
[Multikulti]=[Umvolkung]
[Jugend ohne Migrationshintergrund] hat keine [Zukunft in diesem Land]

Zumindest aus Framing-Sicht haben die Identitären recht: „Die Multikultis zeigen keine Einsicht“.